Was Sie bei der Haltung eines Hundes beachten sollten:
| Die Hinweise des Tierschutzbundes Greifswald können Fachliteratur, Hundeschulen und den Erfahrungsaustausch mit anderen Hundehaltern auf keinen Fall ersetzen, sollen aber einige Anregungen zu Ihrer Erziehungsstrategie geben. |
Hunde an die Leine? - Konfliktfeld Hund
Der Hund ist zu einem fest integrierten Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft geworden und gehört als einziges Heimtier zum ständigen öffentlichen Bild. In Greifswald gibt es zur Zeit mehr als 2000 Hunde. Jedoch steht der Hund bzw. die Hundehaltung zunehmend in der Kritik. Schlecht erzogene Hunde verursachen Zwischenfälle; durch Unwissen werden in der Hundeerziehung große Fehler gemacht. Da ist die Forderung nach genereller Anleinpflicht schnell erhoben – sie sorgt jedoch für neue Konflikte.
Was sagt das Tierschutzgesetz?
Jeder, der ein Tier hält, hat es seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen zu ernähren, zu pflegen und verhaltensgerecht unterzubringen; er darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, daß diesem Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.
Das bedeutet, daß in der Hundehaltung auf den rasseabhängig (aber auch individuell) unterschiedlichen Bewegungsdrang Rücksicht genommen werden muß: Ausgesprochene Laufhunde, wie etwa die Huskies, viele Jagdhunderassen, Terrierrassen und natürlich die Windhunderassen, brauchen enorm viel Bewegung ohne Leine.
Leine abschaffen?
Ein klares Nein sagen wir zu der manchmal vertretenen Meinung, einen Hund grundsätzlich ohne Leine laufen zu lassen. Im Innenstadtbereich, an stark befahrenen Straßen, überall dort, wo sich viele Menschen aufhalten, gehört ein Hund – wenn er denn schon dabei sein muß – an die Leine. Auch wenn entgegenkommende Menschen darum bitten, ist der Hund unverzüglich anzuleinen. Dies empfindet ein gut erzogener Hund auch nicht als Strafe oder Einschränkung seines Bewegungsdrangs.
Auslauf ohne Leine: Für jeden Hund ein Muß
Ist der Hund dauerhaft angeleint, führt das beinahe zwangsläufig zu Störungen und Konflikten:
- Hunde, die nicht ihrem natürlichen Verlangen entsprechend Auslauf erhalten, können Gesundheitsstörungen wie Übergewicht, Herzprobleme, Gelenkerkrankungen oder Verhaltensauffälligkeiten bekommen.
- Menschen müssen lernen, miteinander umzugehen, Hunde auch! Kontakt ohne Leine bedeutet Umeinanderlaufen, Imponiergesten, Sozialspiele, Anal- und Nasalkontrolle. So sammeln die Hunde Erfahrungen mit Artgenossen und lernen, die Körpersprache der anderen Tiere richtig zu deuten. Durch Leinenzwang kommt es zum sozialen Erfahrungsentzug. Das erzeugt unsichere, aggressive Tiere.
- Hunde haben ein außerordentlich hohes Bewegungsbedürfnis. Sie können nicht artgerecht gehalten werden, wenn ihnen kein täglicher Auslauf ohne Leine verschafft wird.
Angeleinte Hunde sind im Kontakt zu Artgenossen oft aggressiv, weil sie sich durch den "verlängerten Arm" zum Menschen dominant fühlen. Das gleiche geschieht, wenn kleine Hunde auf den Arm genommen werden – von oben herab sind sie dann ganz schön mutig!
Allgemein gilt: Hunde, die immer an der Leine sind, sind angespannter, unsicherer, unausgeglichener, angriffsbereiter, weil sie den Umgang miteinander nicht erlernt haben. Ständig angeleinte Hunde werden zu Problemtieren.
In Frankreich gehören unangeleinte Hunde auf dem Land und in der Kleinstadt zum Straßenbild. Sie sind auf Artgenossen ausgezeichnet sozialisiert – Beißzwischenfälle sind selten. Von Menschen nehmen sie oft keine Notiz.
Hundeverordnung in Greifswald
Die Hundeverordnung schreibt einen sehr umfassenden Leinenzwang vor. Einige Gebiete wurden jedoch für den Auslauf ohne Leine freigegeben; bitte informieren Sie sich
hier oder im Amt für öffentliche Ordnung der Hansestadt Greifswald oder im Greifswalder Stadtblatt, Nr. 21/2003. Außerdem kann jeder Hundehalter für seinen Hund eine Ausnahmeregelung erwirken, wenn er in einer Prüfung nachweisen kann, daß der Hund gut erzogen ist.
Zusammengefaßt: allgemeine Regeln zur Erziehung
- Ein Hund ist ein soziales Wesen - wie wir Menschen. Er braucht den Kontakt zu Artgenossen und ist darauf
angewiesen, eng im Bereich seiner Menschen zu leben. Zwingerhaltung wird diesem Bedürfnis in der Regel nicht
gerecht und geht immer zu Lasten der Mensch-Hund-Beziehung.
- Der Hund ist ein Beutegreifer/Jäger. Erziehen Sie ihn so, daß er Radfahrer, Jogger und Kinder nicht
belästigt (hetzt, verbellt, anspringt). Unterbinden Sie, daß Ihr Hund Katzen, Enten und andere Tiere hetzt.
Holen Sie sich Hilfe in einer Hundeschule, am besten bevor Probleme entstehen.
- Ermöglichen Sie Ihrem Hund täglich Auslauf ohne Leine. Er braucht ausreichende
Bewegungsmöglichkeiten, um ein angenehmer Begleiter seines Menschen zu sein. Ein Gassigang um den
Häuserblock reicht auch dem kleinsten Hund nicht.
- Gestatten Sie ihrem Vierbeiner von Welpenbeinen an viele Begegnungen mit Artgenossen ohne Leine. Nur so lernt
er die Regeln der Hundesprache zu verstehen - und anzuwenden.
- Hunde reagieren an der Leine oft aggressiver als ohne, da diese einen unbeschwerten Kontakt
(beschnüffeln, umkreisen, Beschwichtigungs- oder Dominanzgesten zeigen) erschwert.
- Hunde wurden in der Vergangenheit für bestimmte Arbeiten gezüchtet (Wächter,
Herdenschutzhunde, Jagdhunde usw.) Ihre Arbeitseigenschaften werden heute zumeist nicht mehr benötigt. Sie
sollen vor allem friedliche ausgeglichene Familienhunde sein. Um diese Aufgabe ausfüllen zu können,
bieten Sie Ihrem Hund als Ausgleich unterschiedliche Möglichkeiten der körperlichen und geistigen
Beschäftigung.
- Die Unterbringung eines Hundes (auch eines großen) in einer Wohnung ist möglich, wenn seine
Bedürfnisse nach ausreichend Auslauf und nach Beschäftigung erfüllt sind. (Fragen Sie Ihren
Vermieter, ob Hundehaltung in Ihrem Haus erlaubt ist.) Dagegen reicht einem Hund nicht, sich ausschließlich
im Garten aufhalten zu müssen. Der tägliche Auslauf ohne Leine ist durch nichts zu ersetzen.
- Kleine Hunde brauchen für ein harmonisches Zusammenleben in der menschlichen Gemeinschaft nicht weniger
Erziehung als große. Auch sie brauchen Kontakt zu ihresgleichen, um die Hundekommunikation zu
erlernen.
- Machen Sie Ihrem Hund klar, Sie sind der Bestimmer. Eine feste und eindeutige Rangordnung ermöglicht ein
geordnetes und harmonisches Zusammenleben in der Gruppe. Eine klare Rangordnung bietet dem Hund Sicherheit.
Gegenseitige Rücksichtnahme
Etliche Zeitgenossen lehnen Hunde in der Stadt ab oder fürchten sich vor diesen. Nicht wenige von ihnen
haben Grund für Ihre Antipathie: Rücksichtslosigkeit, fehlendes Einfühlungsvermögen und
Egoismus zahlreicher Hundehalter tragen zu dem schlechten Image bei, das Hund und Halter in letzter Zeit in der
Öffentlichkeit genießen .
Im Interesse verantwortungsvoller Hundehalter ist es daher, das Vertrauen der Bevölkerung
zurückzugewinnen. Dabei sind nur einige Regeln zu beachten, die eigentlich selbstverständlich sein
sollen:
- Leinen Sie Ihren Hund an, wenn Menschen Sie darum bitten oder Ihnen Kinder, gebrechliche oder ängstliche
Personen begegnen.
- Respektieren Sie, daß andere Menschen Hunden nicht so aufgeschlossen gegenübertreten wie Sie. Nicht
jeder Mensch muß ein Hundefan sein!
- Erziehen Sie Ihren Hund so, daß er niemand belästigt. Eignen Sie sich die grundlegendsten
Kenntnisse über die Bedürfnisse und das Verhalten von Hunden an. Ein gut erzogener Hund bietet die
beste Gewähr für ein harmonisches Zusammenleben.
- Eine Selbstverständlichkeit: beseitigen Sie die Hinterlassenschaften Ihres Hundes. Gehen Sie mit gutem
Beispiel voran, auch wenn Sie gerade niemand sieht!
Sorgen Sie durch Ihr eigenes Verhalten in der Öffentlichkeit dafür, daß sich das Klima in der
Öffentlichkeit gegenüber Hunden und ihren Haltern entspannt. Ein positives Erscheinungsbild beider auf
Straßen und Plätzen ist die beste Imagekampagne.
Gute Bücher zum Thema Hundeerziehung
- Der Hundeführerschein (C. del Amo, u.a.), Ulmer-Verlag
- Wir wollen einen Hund (Susanne Kerl), Müller-Rüschlikon
- Hundeschule für jeden Tag (K. Schlegl-Kofler), GU Verlag
- Welpenschule. Der sanfte Weg zum Familienhund (C. Del Amo), Ulmer
- Welpenschule leicht gemacht (R. Jones), Kosmos
- ABC für Hundebesitzer (U. Ochsenbein), Müller Rüschlikon
- Hund und Mensch - Freunde fürs Leben (Christian Köhl),
Verlag Ariston; Kapitel "Welcher Hund paßt zu mir?"
- Der Hund: Ein Freund für Kinder (G. Huth), GU Verlag
Die Bücher können in der Stadtbibliothek bzw. in der Umweltbibliothek (Makarenkostraße 53) ausgeliehen werden.
Der deutsche Tierschutzbund rät dazu:
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