Donnerstag, 5. Juni 2008
Unsere jüngste Tochter Sophie, genauso Tiernarr wie wir, kam eines Tages auf die Idee sich noch eine dritte Katze aus der Katzenstation der Tierhilfe zu holen. Grund: die 8-jährige BKH-Katze Moni spielt nicht mit der 1-jährigen Tigerkatze Ally. Also hieß es, eine möglichst gleichaltrige Spielgefährtin für Ally besorgen. Wer musste mit? Mutter!
Ich ahnte schon im Voraus, wenn mich da nur ein Kätzchen beschnurrt oder auch nur Mitleid erregend anschaut, dann bin ich hin und weg.
Also machten wir uns auf den Weg - nur mal so zum gucken.
Bei der Katzenstation wurden wir freundlich begrüßt und an die Katzenzwinger geführt. Da unsere Tochter genau wusste, was sie für eine Katze sucht, wurden wir auch schnell fündig.
Ich war froh, das Sophie sich so schnell entschlossen hatte und sah mich noch mal in dem Katzenzwinger um.
UND DA SASS ER!
Blaugrau mit weißen Abzeichen, zerzaustes Fell und so abgehungert, das man die Rippen sehen konnte.
Ich schaltete den Verstand ein:
Nein, Kathrin, nicht noch ein Tier!
Sophie vereinbarte einen Termin, an dem sie ihre Kleine abholen konnte und wir fuhren wieder nach Hause.
Kaum zu Hause, da berichtete ich meinem Mann von dem Kleinen. Er sah mich nur von der Seite an - er ahnte was da kommt.
ABER - es kam erst mal nichts.
Unsere Tochter konnte die kleine Katze drei Tage später aus der Katzenstation holen. Zeit genug für mich, alles noch mal zu durchdenken. Aber der Kater hatte sich schon in mein Herz geschnurrt, so das es da kaum etwas zu überlegen gab. Mein Entschluss stand fest! !
Ich bat Sophie, wenn sie ihre Kleine holt, sich mal nach dem Kater zu erkundigen und ob er zu vermitteln sei.
Mittwoch, 11. Juni 2008
Der Stand der Dinge war: Er ist ein Beziehungsopfer. Fast verhungert wurde er wohl im letzten Moment gerettet.
Jetzt ging es noch darum, ob die ehemalige Besitzerin beim Amtsgericht eine Verzichtserklärung unterschreibt, d.h. sie gibt ihn zur Vermittlung frei.
Also hieß es abwarten. Eigentlich war mir schon klar, das die Vorbesitzerin ihn nicht holt. Hat sich die ganze Zeit nicht 1x nach ihm erkundigt.
Eine Woche später dann die freudige Mitteilung - die Verzichtserklärung wurde unterschrieben. Nun brauchte nur noch der Amtstierarzt sein OK zu geben.
Also, wieder auf einen Anruf warten.
Der Anruf kam, aber nicht so, wie ich ihn erwartet hatte.
Der Vermittlung steht nichts mehr im Wege ABER irgendeine Katze hat die Katzenseuche eingeschleppt und alle Tiere sitzen in Quarantäne.
Nun hieß es wieder bangen. Immer wenn das Telefon klingelte schlug mein Herz schneller.
Ich ging so oft ich konnte zur Katzenstation und besuchte "Curacao". Aber bei mir hieß er in Gedanken schon "Motte". Bedingt durch den ganzen Stress , den der Kleine durchgemacht hatte, ging ihm stellenweise das Fell aus. Sah aus wie Mottenfraß und deshalb der Name.
Wenn ich ihn besuchte, musste ich durch eine Sicherheitsschleuse und einen weißen Einmal-Overall anziehen und immerzu in Desinfektionslösung treten und Hände drin waschen. Dann durfte ich zu ihm rein.
Mit der Zeit begrüßte er mich schon, umschnurrte mich und ich musste ihn davon abhalten, an mir hochzuklettern. SEUCHENGEFAHR - schließlich kann man das Gesicht schlecht desinfizieren.
So vergingen die Wochen und er gewöhnte sich an mich.
Eines Tages, als ich los ging, stiefelte er fast mit mir aus der Tür, wie selbstverständlich.
Aber er musste wohl noch eine Woche hinter Gitter bleiben.
Wieder Tage zählen...
Mittwoch, 18. Juli 2008
Also, da fahre ich doch den bewussten Mittwoch, mit ein paar Leckerli bewaffnet, zur Tierhilfe um Motte zu besuchen. Schon von weiten sah ich, das sich davor mehr Leute als sonst aufhielten. Ich also noch etwas kräftiger in die Pedale getreten, denn schließlich wollte ich wissen was da los war.
Kaum stellte ich mein Fahrrad in den dafür vorgesehenen Ständer, empfing mich auch schon eine Tierpflegerin: "Na, heute können sie ihren Kleinen mitnehmen."
Wie, was ... hatte ich mich da verhört? Man wollte mich doch vorher anrufen... Irgendwie wollte ich das nicht so recht glauben. Ich musste aber noch ca. 20 Minuten warten, die Chefin war noch nicht da.
Davor auf - und abgehen war auch nicht mein Ding, da vergeht die Zeit eh´ nicht. Zum Glück ist da ein Einkaufzentrum in der Nähe. Also trottete ich da erst mal rüber.
*Was wenn das stimmt und du Motte wirklich mitnehmen kannst*, schoss es mir durch den Kopf. Darauf war ich ja überhaupt nicht vorbereitet. Also, meine Tochter angerufen - bitte, bitte sei zu Hause … nach einigem Klingeln dann eine verschlafene Stimme am Telefon: " Jaaa???" "Sophie du musst vielleicht mit Auto und Katzenbox zur Tierhilfe kommen. Ich kann Motte eventuell mitnehmen! Melde mich nach 18 Uhr noch mal, wenn es stimmt."
Nach 18 Uhr... noch 15 Minuten die ich durch das Einkaufszentrum trottete und die Waren betrachtete und einige davon in meinem Korb landeten.
Endlich 18.10 Uhr, zur Kasse und dann zurück in der Hoffnung ,das die Chefin schon da ist. Sie war da und kam auf mich zu: "Sie können heute ohne Schutzkleidung rein und ihn mitnehmen! Die Quarantäne ist aufgehoben." Deshalb die vielen Leute vor der Tür, die wollten auch endlich ihre Tiere abholen... Also Sophie angerufen, damit sie mit dem Auto kommt. Nach ihrer Aussage wollte sie gleich da sein.
Aber was ist gleich? Fünf Minuten, 10 Minuten, halbe Stunde...?
Ich hab nicht auf die Uhr geschaut, aber jedenfalls schien die Zeit nicht zu vergehen…*man, wie lange braucht sie mit dem Auto, sind doch nur 2 Kilometer…*
Dann endlich knatterte ihr Auto auf den Hof und die Chefin holte uns zum Glück gleich in ihr Büro um den Papierkram zu erledigen.
Dann ging sie mit uns zu dem Zwinger und wir konnten Motte ohne Widerstand in der Box
verstauen. Dann bekamen wir noch "seinen" Korb mit Handtuch und nach meiner Frage nach der letzten Entwurmung auch noch Wurmmittel kostenfrei dazu.
Sophie ging mit Kater in der Box zu ihrem Auto, ich schwang mich auf mein Fahrrad und ab ging es wie der Blitz nach Hause.
Langsam stellten wir die Katzenbox ab und öffneten erst mal vorsichtig den Deckel. Die Hunde hatten wir natürlich erst mal auf den Hof gelassen, damit er nicht gleich verschreckt wird, wenn die Meute auf ihn einstürmt.
Kaum war der Deckel auf, da kam Motte zum Vorschein und hast du nicht gesehen, da war er auch schon draußen.
Damit er sich aber langsam an sein neues Zuhause gewöhnt haben wir ihn erst mal in Ruhe gelassen. Ein paar Tage nach seinem Einzug stolzierte Motte schon oben auf der Diele umher und forderte sein Futter und seine
Streicheleinheiten, runter traute er sich allerdings noch nicht, aber wir ließen ihm natürlich Zeit. Erzwingen bringt überhaupt nichts.
Es dauerte über 8 Monate bis er von allein zu uns ins Wohnzimmer kam.
Jetzt ist er schon fast anderthalb Jahre bei uns und hat sich zu einem stattlichen, selbstbewussten und verfressenem Kater entwickelt.Inzwischen hat er einen Katzenkumpel, der ein ähnliches Schicksal durchlitten hat, als Spielgefährten.
Immer wenn ich von der Arbeit nach Hause komme sitzt Motte schon auf der Treppe um mich zu begrüßen und begleitet mich den Rest des Tages auf Schritt und Tritt… und nachts…naja…da darf er am Fußende schlafen.